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Baboo Airways Der Airline-Gründer Julian Cook will die Linie Genf-Lugano betreiben. Das soll erst der Anfang sein. - 16/10/2003

 

Inline-Skates liegen auf dem Boden, ein zerlesenes «Wallpaper»-Magazin, eine Ausgabe der «Vogue». Hund «Tofu» macht es sich im fast leeren Büro bequem, die Möbel werden erst in ein paar Tagen geliefert. Dann muss auch die Reservations-Seite im Internet stehen. Ein paar Tage später, am 27. Oktober, soll die erste Maschine der Baboo Airways von Genf nach Lugano abheben. «Ja», sagt der 29-jährige Gründer Julian Cook mit leicht arroganter Lässigkeit. «Das schaffen wir.»
Die Chancen stehen gut: Seit Swiss angekündigt hat, dass sie die Strecke Genf-Lugano am 26. Oktober aufgibt, hat einzig Baboo Airways eine Konzession für die Route beantragt. 19-mal pro Woche will die neue Fluggesellschaft mit einer Dash-8 mit 50 Plätzen ins Tessin flie-gen. Laut dem Genfer Regierungsrat wird das zuständige Bundesamt der Baboo Airways in Bälde grünes Licht erteilen.
Partner ist die deutsche Cirrus Airlines, die in der Schweiz eine Betriebsbewilligung hat. Sie liefert zum Stundentarif ein All-inclusive-Paket: Jet, Crew, Unterhalt, Versicherung. Dasselbe kostengünstige Modell, mit dem einst EasyJet loslegte. Aber «im Unterschied zu EasyJet will ich eine Fluggesellschaft mit Stil und Glamour», so Cook. So soll bei Baboo ein Imbiss serviert werden, und die Flight Attendants werden nicht wie «Angestellte der Genfer Verkehrsbetriebe» aussehen. Dafür sorge einer seiner Freunde: der Creative Director von Giorgio-Armani-Jeans. Cool soll die Uniform sein, bequem, praktisch. Very Swiss eben, aber doch nicht Swiss, erklärt der Genfer mit britischem Pass.
Damit hat der Jung-Manager seinen doppelt so alten Rivalen fürs Erste ausgestochen. Ex-Crossair-Chef Moritz Suter hoffte auf einen zweiten Frühling und wollte mit seiner Neugründung Hello die Strecke ebenfalls bewirtschaften. Allerdings kam ihm die Anpassung an die europäischen Sicherheits-Richtlinien in die Quere: Denn mit dem Flugzeugtyp Saab 2000, den er dafür einsetzen wollte, darf Lugano-Agno ab nächstem Oktober nicht mehr angeflogen werden. Deshalb musste Suter sein Projekt zurückziehen. Aus demselben Grund konnte die Tessiner Darwin Airlines ebenfalls nicht ins Rennen steigen.
Bleibt Cook, der vorerst aufs richtige Flugzeug gesetzt hat. Er ist kein Neuling in der Branche. Schon einmal hat er eine Airline gegründet, ein Business-Shuttle zwischen London und New York. Die Inves-toren waren vorhanden, die Maschinen ebenfalls, da kam ihm, wie er sagt, ein «klitzekleines Ereignis» in die Quere: der 11. September 2001.
Bremsen konnte ihn das nicht. «Die Fliegerei ist mein Bubentraum», sagt Cook. Der Sohn des Präsidenten der Anglo Irish Bank in Genf hat bereits mit 20 Jahren fliegen gelernt, jetzt will er noch die Pilotenlizenz für Passagierflugzeuge. «Ab und zu werde ich selber ins Cockpit sitzen», sagt er. Flexibilität sei sein Credo. Von den Flight Attendants erwarte er, dass sie auch mal im Büro aushelfen.
Nach seinem Studium an der London School of Economics arbeitete er drei Jahre bei der Chase Manhattan Bank in London für Kunden aus dem Airline-Geschäft. Standesgemäss folgte ein MBA an der Columbia Business School in New York. Nebenbei war er für die Rekapitalisierung einer argentinischen Regional-Airline verantwortlich. «Eine Art Studenten-Sommer-job», sagt Cook. «Ich musste 30 Millionen Dollar auftreiben.»
Weltmännisch und leicht übermüdet - «seit zwei Monaten schlafe ich nicht mehr als fünf Stunden» - erklärt Cook sein neues Airline-Projekt. Eigentlich wollte er in Ruhe einen Business-Plan machen und erst nächsten Sommer loslegen. Doch dann kam im Juli die Entscheidung von Swiss, Genf-Lugano aufzugeben. So startete er eben etwas früher. Inzwischen hat er 16 Leute eingestellt.
Immer wieder versuchen sich Jungunternehmer im Airline-Geschäft. Der 22-jährige Mario Ritter wollte mit zwei Charter-Airbussen aus der Schweiz nach Asien, Amerika und Afrika fliegen. Aus dem Stand heraus heuerte der Liechtensteiner gegen hundert Mitarbeiter an und schmiedete schon Pläne für eine Tochtergesellschaft für den Europaverkehr. Bevor der erste Flieger abhob, wurde im November 2002 der Konkurs über Ritters Air Switzerland verhängt. Sogar die Strafbehörden hatten gegen den Luftibus ermittelt. Dessen Problem war die Geldbeschaffung. Um einen Grossjet von A nach B bewegen zu können, braucht es viel Kapital. Doch Ritters Financiers entpuppten sich als erfundene Figuren.
Julian Cooks Projekt ist eine Nummer kleiner. Als Startkapital stehen fünf Millionen Franken zur Verfügung, die ihm verschiedene Investoren, darunter auch Familienmitglieder, anvertraut haben. Vorerst soll Baboo mit einem einzigen Flugzeug nach Lugano fliegen. Rentiert die Sache, sind nach demselben Modell weitere Destinationen wie Venedig, Saint-Tropez, Bordeaux, Florenz geplant. Jedes Jahr soll die Flotte um zwei Flugzeuge erweitert werden.
Die Flugtarife liegen im unteren Segment: 80 Prozent der One-Way-Flüge nach Lugano werden zwischen 120 und 200 Franken kosten, Frühbucher zahlen 79 oder auch mal 49 Franken. Reservieren kann man über Internet und Call-Center. «Wichtig ist Transparenz und Fairness», sagt der Chef von Baboo.
Dass Swiss für ein Retourticket Genf-Lugano 800 Franken verlangt habe, sei einfach «dumm» gewesen. «Das hat den Markt kaputtgemacht». Die Zahl der Passagiere sank in drei Jahren von 80 000 auf 60 000. Dabei lohnt sich der Flug zwischen den beiden Bankenstädten wie sonst keine andere Inlandroute: Mit dem Zug fährt man von Genf ins Tessin über sechs Stunden. Der Flug dauert ganze 35 Minuten. Eine einzige Sorge plagt den Jungunternehmer: zu schnelles Wachstum. «Ich hoffe nur, dass Swiss in nächster Zeit nicht auf die Schnauze fällt», sagt Cook ernsthaft. «Sonst wären wir versucht, mehr Linien zu übernehmen, als wir verkraften können.»
grosse träume: Julian Cook, der 29-jährige Chef von Baboo Airway träumt von einem breiten Europa-Netz.

Von Lisa Stadler.
16 October 2003
FACTS

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